BÄKO-magazin

Finnland: Viele Chancen für beruflichen Austausch

Neben dem bereits erfolgreich praktizierten Lehrlingsaustausch mit Frankreich knüpft der Bäckerinnungsverband Niedersachsen/Bremen nun Kontakte nach Finnland.

Neben dem bereits erfolgreich praktizierten Lehrlingsaustausch mit Frankreich sucht der Bäckerinnungs-Verband Niedersachsen/Bremen in Europa weitere internationale Kontakte zur Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Bei einer Fachstudienreise nach Finnland sammelte jetzt eine Delegation unter Leitung der BIV-Geschäftsführerin Bettina Emmerich-Jüttner wichtige Eindrücke für eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen des Bäckerhandwerks im „Land der tausend Seen“. Die Gespräche galten außerdem der Erkundung von Kooperationsmöglichkeiten auf Verbands- und betrieblicher Ebene sowie dem Kennenlernen des Lebensmittel- und speziell des Backwarenmarktes des nördlichsten EU-Mitglieds.

 

Große Nachfrage nach „Functional Food“

Schwerpunkte des Besuchs in Helsinki waren Gespräche mit der deutsch-finnischen Handelskammer, der Deutschen Botschaft und dem finnischen Bäckerverband sowie Besuche in einer deutschstämmigen handwerklichen Bäckerei, im größten Brotkonzern des Landes und in einer Bäckerberufsschule. Bei den Gesprächen mit Wirtschafts- und Unternehmensvertretern lernten die deutschen Besucher, dass im nahezu ausschließlich industriell geprägten Backwarenmarkt Betriebe handwerklichen Zuschnittes eher Nischenfunktionen ausfüllen. Mit nachhaltigem Erfolg besonders dann, wenn sie flexibel auf Verbrauchertrends reagieren, wie der aktuell großen Nachfrage nach „Functional Food“ und lactosearmen Lebensmitteln.

 

Finnische Großbäckereien wie der international agierende Fazer-Konzern mit Standorten in einem halben Dutzend der nordeuropäischen Nachbarstaaten setzen auch auf gesundheitsfördernde Produkte, spüren aber in Finnland selbst wirtschaftlichen Druck durch deutsche Konkurrenz. Der Discounter Lidl habe einen starken Preiswettbewerb angefacht. Der tangiere aber die Brotindustrie weit mehr als kleinere, regionale Bäckereien. Ihnen bereite die Einhaltung der EU-Gesetzgebung etwa bei Lebensmittelkennzeichnung oder Hygienevorschriften Probleme, ähnlich wie dem niedersächsischen Bäckerhandwerk.

 

Berufsschule: Wichtiger Faktor

Bei der Ausbildung des Berufsnachwuchses setzt das finnische Bildungssystem auf die Berufsschule. Dort wird zudem viel Wert auf Berufspraktika gelegt. Ansatzweise bestehen bereits europäische Kooperationen für Lehrlingsaustausche, etwa mit Österreich. Ein Ausbau werde auch von finnischer Seite begrüßt, erfuhr die BIV-Delegation bei Gesprächen in der Bäckerei-Ausbildungsschule für die Region Helsinki, des „Helsinki City College of Culinary Art, Fashion and Beauty“.

 

Die Gespräche während der BIV-Studienreise führten in Helsinki bereits zu ersten konkreten Verabredungen auf berufsfachlicher Ebene: Im ersten Quartal 2010 können drei Auszubildende aus den Bäckerberufen zu einem vierwöchigen Praktikumsaufenthalt nach Finnland aufbrechen. Das niedersächsische Kultusministerium stellt hierfür Fördermittel bereit. Darüber hinaus bekundeten die Vertreter der deutschen und finnischen Bäckereien die Bereitschaft zum regelmäßigen fachlichen Wissenstransfer.