BÄKO-magazin

Scharfer Gegenwind

Der Gesundheitswert von Brot und Brötchen steht im Fokus der Öffentlichkeit: Eat Smarter und Slow Baker bezweifeln und attackieren Brötchen als gesunde Lebensmittel.

Der Gesundheitswert von Brot und Brötchen steht im Fokus der Öffentlichkeit: Gleich zweimal sah sich das Bäckerhandwerk in den letzten Tagen Angriffen – oder zumindest: Hinweisen ausgesetzt, dass die verkauften Brötchen, Teilchen und Bäcker-Snacks nicht immer so gesund seien, wie Verbraucher annehmen und auch wissenschaftliche Institute feststellen.

 

Kalorienbomben und Transfette

Zunächst hat die neue Zeitschrift „Eat Smarter“ typische Bäcker-Snacks untersuchen lassen und via Internet verkündet, dass ein Streuseltaler eine Kalorienbombe mit 1.210 Kalorien sei, ein Apfel-Zimt-Ring bei 130 Gramm Gesamtgewicht 12 Gramm Transfettsäuren enthalte und der Fettgehalt einzelner Bäcker-Snacks sogar höher als bei einem Big Mac von McDonald's liege.

Die getroffene Auswahl der Produkte zeigt sicherlich, dass es hier weniger um eine sachdienliche Untersuchung geht, sondern um das Kratzen am Image des gesunden Bäcker-Snacks. Ein Vollkornbrötchen mit Putenbrust jedenfalls, hätte beim Vergleich mit dem Big Mac sicherlich in ernährungsphysiologischer Hinsicht anders abgeschnitten.

 

Dass nicht alle Produkte beim Bäcker gesund sein müssen, ist unbestritten, schließlich sind die Weltmeister des Backens ja auch für die Momente des Genießens in der Rubrik „Ich gönn mir was“ zuständig – wie der Streuseltaler hat bekanntlich auch eine Tafelschokolade nicht ganz wenig Kalorien. Ein Blick auf die Liste der Werbepartner (Kellog's, Metro, Real) auf der Hompage (www.eatsmarter.de) legt es zumindest nahe, dass hier eher geschickte Interessenvertretung unter dem Deckmäntelchen der Aufklärung betrieben wird.

 

„Chemie-Brötchen – Schnelles Geschäft“

Mindestens ebenso bedauerlich ist die Medienschelte, die der Verein Slow Baking gegen die Nicht- Slow-Baker inszeniert hat: „Inszeniert“ ist sicherlich schon das treffende Wort, denn mit Halb- und Unwahrheiten wurde den schlecht recherchierenden Journalisten des NDR in ihrem Beitrag „Chemie-Brötchen: Schnelles Geschäft“ Wasser auf die Mühlen eines „investigativen Journalismus“ gegeben: „Markt deckt auf“, schreibt der Sender im Internet (ndr.de/fernsehen/sendungen/markt/media/markt5519.html) und wollte sicher gern hören, dass Bäcker, laut Vereins-Vorsitzendem Ingo Rasche zu 80% „Chemiekeulen“ statt leckere Brötchen verkaufen.

 

Dabei geriet einiges Durcheinander, denn Backmittel sind keine Backmischungen, 18 Stunden Reifezeit keine zwei Tage und ein Hinweis auf mögliche Allergene, alles andere als die Krönung der Gefahrenklassen, sondern ein kennzeichnungspflichtiger Hinweis, den bald wohl auch Bäcker machen müssen – Slow Baker genauso wie ihre Branchenkollegen.

 

Pauschale Diffamierung

Wenn aus guten Tugenden pauschale Diffamierungen werden, verfehlt der Verein die eigenen Ideen und schadet dem Bäckerhandwerk: Viele, ja sehr viele der Kollegen, die nicht im Verein sind, backen hervorragende und auch gesunde Brötchen, übrigens mit sehr unterschiedlichen Backmitteln, deren Inhaltsstoffe sich nicht als „Sprengstoff“ erweisen dürften.

 

Beratungsverkauf im Fachgeschäft

Da der Gesundheitswert der Backwaren in Zukunft ganz sicher ein relevantes Thema im Marketing bleiben wird, sollten Bäcker sich auf diese Diskussionen einstellen und auch ihren Verkäuferinnen das notwendige Rüstzeug an die Hand geben, um auf Kundenfragen kompetent und sachlich antworten zu können. Denn womöglich nimmt ein Kunde Bezug auf die Sendung im NDR und dann gilt es ihm die Angst vor dem Frühstücksbrötchen zu nehmen.