BÄKO-magazin

Pro & Contra: Nachwachsende Rohstoffe

„Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik ist ohne Frage erforderlich. Dies bedeutet aber auch eine gewaltige ökonomische Herausforderung“, erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages, Heinrich Traublinger, anlässlich des gemeinsamen Energiesymposiums von BHT und dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung.

„Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik ist ohne Frage erforderlich. Dies bedeutet aber auch eine gewaltige ökonomische Herausforderung. Auf die Menschen und Unternehmen in Deutschland kommen so jährlich Milliardenlasten zu“, erklärte der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Heinrich Traublinger, anlässlich des gemeinsamen Energiesymposiums von BHT und dem ifo Institut für Wirtschaftsforschung.Teilnehmer waren neben Traublinger u.a. Prof. Dr. Hans Werner Sinn (ifo-Institut für Wirtschaftsforschung), Emilia Müller (Bayerische Wirtschaftsministerin), Josef Miller (Bayerischer Landwirtschaftsminister) und Siegmund Gottlieb (Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens). Bei dieser Veranstaltung wurden zum Teil sehr kontroverse Aussagen zu diesem Thema gemacht, das für das Bäckerhandwerk von großer Bedeutung ist (Flächenkonkurrenz, Getreidepreise etc.). Welchen Stellenwert das Thema zur Zeit für die Betriebe hat zeigte sich auch daran, dass unter den rund 200 Gästen des Symposiums immerhin sechs Obermeister bayerischer Bäcker-Innungen (Karl-Heinz Hoffmann/BI München, Hans Gotzler/BI Sonthofen, Klaus Schneider/BI Traunstein, Hubert Steffl/BI Rosenheim, Manfred Kerschbaum/BI Nürnberg und Edgar Bernhardt/BI Schweinfurt-Hassberge) sowie die Geschäftsführer von zwei BÄKOs (Alfred Aigner und Anton Hermann von der BÄKO München sowie Irmengard Rossingoll von der BÄKO Reichenhall) waren. Auf dem Symposium unter dem Motto „Energie aus nachwachsenden Rohstoffen – Perspektive oder Irrweg?“ sagte Traublinger, man müsse die vorhandenen Mittel effizient nutzen. Zur Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen, die in den letzten Jahren massiv gefördert wurde, erklärte er: „Wie bei allen Heilmitteln gibt es auch hier Risiken und Nebenwirkungen. So ist durch die verstärkte Verwendung von Pflanzen als Energierohstoff ein Konkurrenzkampf um die Anbauflächen entstanden, die dann für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Auch die Lebensmittelpreise, die in den letzten Jahren noch eine Inflationsbremse waren, seien 2007 in einigen Bereichen wegen geradezu explodierender Rohstoffpreise deutlich gestiegen. „Milchprodukte wurden innerhalb weniger Monate um 40 bis 50% teurer, Weizen um 70%, Malz um über 80% und Braugerste um 100%. Noch immer sind die Lebensmittel in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern preiswert. Doch die Entwicklung der Rohstoffpreise bringt diese Position in Gefahr“, betonte Traublinger. So hätte beispielsweise die Ethanolerzeugung insbesondere in den USA zum weltweiten Anstieg der Getreidepreise im vergangenen Jahr beigetragen. Allerdings sei nicht nur der Nahrungsmittelbereich betroffen. Die zunehmende Verwendung von Holz zu Heizzwecken oder zur Erzeugung von Bioenergie treibe auch die Holzpreise rasant nach oben. Der BHT-Präsident: „Dies bedeutet, dass viele Handwerker – Bäcker, Konditoren, Brauer, aber eben auch Zimmerer und Schreiner – mit gestiegenen Rohstoffpreisen kalkulieren müssen.“ Zudem sei die Verbrennung von Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion ein weiterer Hinweis dafür, mit welcher Geringschätzung Lebensmittel in Deutschland inzwischen behandelt werden. Der BHT-Präsident wies darauf hin, dass die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Energieerzeugung auch aus ökologischer Sicht durchaus umstritten sei. So treten bei Anbau und Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe teilweise gravierende Umweltbelastungen auf, etwa das Vordringen von Monokulturen oder die Überdüngung und Versauerung des landwirtschaftlich genutzten Bodens. Traublinger: „Nach neueren Erkenntnissen gelangen bei der Produktion von Biodiesel fast doppelt so viele Stickoxide in die Atmosphäre wie bislang angenommen. Wissenschaftler gehen von einer 300-fach höheren Treibhauswirkung je Tonne Stickoxid im Vergleich zur Tonne Kohlendioxid aus.“ Das Energiesparen sowie eine effizientere Energieverwendung bezeichnete der BHT-Präsident als erfolgversprechende Ansätze für einen effektiven Klimaschutz.