WARENKUNDE

Die schmackhafte "Milch des langen Lebens"

Teil 86: Joghurt

Joghurt entsteht, wenn Milch mit bestimmten Milchsäurebakterien versetzt wird und ist sowohl ohne Zusätze als auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen verfügbar.
Obwohl sich die 4000jährige Geschichte des Joghurts bis ins Altertum zurückverfolgen lässt, weiß niemand genau, wie und von wem er erfunden bzw. entdeckt worden ist. Allgemein heißt es, das Zufallsprodukt habe seinen Ursprung im Mittleren Osten (wahrscheinlich im Gebiet der heutigen Türkei). In einer alten Geschichte heißt es, ein Nomade habe Milch in einem Ziegenlederbeutel mit in die Wüste genommen und nach einigen Stunden statt Milch eine dicke, säuerliche Creme vorgefunden, die durch die Hitze und Bakterien im Innern des Beutels entstanden sein musste. Er verkaufte das Produkt auf verschiedenen Basaren und machte es so bekannt.
Wenn viel frische Milch vorhanden war, aß und trank man Joghurt, der aus der fermentierten Milch verschiedener Tiere hergestellt wurde, im Winter wurde eine getrocknete Form benutzt. Obwohl er Jahrhunderte lang in Osteuropa und Asien eines der wichtigsten Nahrungsmittel war, setzte sich der Joghurt erst in den 1920er-Jahren im restlichen Europa durch. Wirkliche Beliebtheit erlangte er, als er industriell hergestellt und mit Früchten und anderen Zusätzen angereichert wurde. Erst in den 1960er-Jahren entdeckten die Amerikaner den Joghurt als Nahrungsmittel.

Bei der Joghurtproduktion wird Milch zunächst auf 85 °C erhitzt, um unerwünschte Bakterien abzutöten. Danach wird sie auf 42 bis 45 °C abgekühlt und mit verschiedenen Bakterienkulturen versetzt, die eine kräftige Säuerung bewirken und Geschmack und Aroma steigern oder aber den milden Joghurt erzeugen. Die Bakterien wandeln den in der Milch vorhandenen Zucker in Milchsäure um. Diese sorgt für ein Gerinnen der Eiweißbestandteile, für die Bildung von Aromastoffen und somit für den charakteristischen Geschmack und Geruch eines Joghurtprodukts. Nach zwei bis drei Stunden wird der Joghurt auf 6 bis 8 °C abgekühlt. Er verfestigt sich und erhält die gewünschte Konsistenz. Man unterscheidet zwischen stichfestem, gerührtem und Trinkjoghurt, welche jeweils in verschiedenen Fettgehaltsstufen hergestellt werden:
Sahnejoghurt (mindestens 10% Fett), Vollmilchjoghurt mit natürlichem Fettgehalt (mindestens 3,5% Fett), Vollmilchjoghurt (3,5% Fett), fettarmer Joghurt (1,5–1,8% Fett), Magermilchjoghurt (maximal 0,3% Fett). Um die Standfestigkeit zu verbessern, die Haltbarkeit zu verlängern oder andere Geschmacksrichtungen zu erhalten, werden Joghurts oft mit Zusätzen (Milcheiweiß, Bindemittel, probiotische Zusätze, Früchte) angereichert. Fruchtjoghurt, der durch den Zusatz von Früchten bzw. Fruchtzubereitung hergestellt wird, macht 80% der verkauften Joghurtproduktion aus.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich Joghurt positiv auf die Gesundheit auswirken kann, was vor allem am hohen Nährstoffgehalt und an der Wirkung seiner Bakterienkulturen liegt. Die Milchsäuren kommen sowohl rechts- als auch linksdrehend vor, beide sind gesundheitlich gleich wertvoll. Allerdings kann die rechtsdrehende vom Organismus besser aufgenommen und schneller abgebaut werden. Linksdrehende Milchsäure wird dagegen nur sehr langsam abgebaut. Neben diesen Begriffen tauchen heute Bezeichnungen wie "probiotisch", "prebiotisch" und "synbiotisch" immer öfter in der Werbung und auf Verpackungen auf. Probiotika sind speziell gezüchtete Bakterienkulturen, die den Verdauungsprozess überleben und den unteren Darm erreichen, wo sie unerwünschte Keime in Schach halten, die Verdauung fördern und das Immunsystem stärken sollen. Prebiotika sind Ballaststoffe wie Inulin oder Oligofruktose, die für den Menschen unverdaulich sind und im unteren Darm einigen nützlichen Darmbakterien als Nahrung dienen. Synbiotika sind eine Kombination aus Pro- und Prebiotika. Eine positive gesundheitliche Wirkung (bei regelmäßigem Verzehr) wird Joghurt für die folgenden Bereiche zugeschrieben: Darmfunktion, Magenberuhigung, Knochengesundheit und Osteoporose, Laktose-Intoleranz, Cholesterinwerte, Zähne.
Joghurt gibt es inzwischen in vielen verschiedenen Geschmacksvariationen, die den täglichen Speiseplan vielseitig bereichern. Joghurt kann die Milch im Frühstücksmüsli ersetzen oder mit Obst gemischt werden. Zaziki, Quiches, warme und kalte Suppen haben ihn zur Grundlage. Sowohl in Saucen zu gegrilltem Fleisch als auch in Salatsaucen und Mayonnaisen wird Joghurt eingesetzt. Er passt gut zu Pellkartoffeln und Fisch und eignet sich für Pasteten und Brotaufstriche. Auf dem Markt angeboten werden außerdem Joghurtbonbons, -desserts (als Süßspeise, Gelee, Pudding, Konfitüre), -käse, -butter/-margarine, -quark, -schokolade, -eis, -brot (pro 100 kg Getreide und/oder Getreideerzeugnissen mindestens 15 Liter Joghurt) u. v. m. Im Übrigen findet das Produkt bei der Herstellung verschiedener Joghurtgebäcke (Torten, Sahneschnitten, Kuchen, Muffins u. a.) Verwendung.


Die gesamte Warenkunde zum Thema Joghurt finden Sie in BÄKO-magazin 10/2003 auf Seite 51!