WARENKUNDE

Rote Früchtchen mit großem Geschmack

Teil 83: Erdbeeren

Die Erdbeere wird zu Recht als "Königin" der Beerenobstarten bezeichnet. Die "Fragaria ananassa" ist neben Äpfeln das beliebteste Obst. Frische Erdbeeren mit Schlagsahne, Gebäcke und Eiskreationen mit Erdbeeren zählen zu den köstlichsten Genüssen des Sommers. 96% aller Deutschen essen gern Erdbeeren – im Jahr etwa 2,5 kg pro Kopf und Einwohner. Im Handel gehören sie in der Saison zu den Rennern. Walderdbeeren kannten bereits unsere Urahnen. Erste Funde reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Erdbeeren sind eine feinaromatische Beerenobstart, die zur Familie der Rosengewächse gehört. Die Pflanze wächst krautartig und trägt ihre Frucht in der Nähe des Bodens – daher auch der deutsche Name. Was allgemein als "Beere" bezeichnet wird, ist die fleischig verdickte Blütenachse der mehrjährigen Erdbeerstaude. Die außen aufsitzenden gelben Kerne (Nüsschen) sind die eigentlichen Früchte bzw. Samen. Je nach Sorte variieren Erdbeeren in Form und Größe; sie sind hell- bis dunkelrot und mehr oder weniger fest und saftreich.Eine Eigenschaft der Erdbeere ist ihre Armut an Kalorien (31 kcal je 100 g).Im Mittelalter gab es große Flächen, auf denen Walderdbeeren kultiviert wurden. Mit allerlei Methoden wurde die Reife beschleunigt und die Ernte verlängert. Nur die Größe der fingernagelgroßen Winzlinge ließ sich durch nichts verbessern. Mit der Entdeckung der Neuen Welt war dieses Problem gelöst. Französische Siedler fanden am kanadischen Sankt-Lorenz-Strom leuchtend scharlachrote Erdbeeren, die sehr aromatisch und recht groß waren. Als "Amerikanische ScharlachErdbeere" fand sie rasch Eingang in die botanischen Gärten Europas. Englische Siedler entdeckten später in Virginia noch eine weitere Form der Scharlach-Erdbeere ("Fragaria virginiana"), die deutlich vor der Walderdbeere reifte. Die Fruchtgröße tat das ihre, um die Walderdbeere rasch aus dem Anbau auf ihr ursprüngliches Gebiet – den Wald – zu verdrängen.

Die Vorfahren der großen roten Erdbeeren, die heute den heimischen Markt bestimmen, kommen ebenfalls aus Übersee. Sie sind keine Züchtung aus der Walderdbeere, sondern eine Kreuzung aus der kleinen amerikanischen Scharlach-Erdbeere mit der großfruchtigen "Schönen von Chile", die der Franzose Amédée François Frezier 1714 von seinen Fahrten mitbrachte. Antoine Nicolas Duchesne verbesserte diese Beeren 1776 durch gezielte Kreuzungen weiter und schuf so die "Ananas-Erdbeere", die ihren Namen wegen des ananas-ähnlichen Duftes bekam. Diese Artkreuzung ist die Stammform unserer heutigen Gartenerdbeere. Ab 1840 begann man in Deutschland mit dem erwerbsmäßigen Anbau. Die Sortenvielfalt bei Erdbeeren ist unübersehbar, inzwischen sind es weit über tausend. Erdbeeren werden heute in fast allen Ländern der Erde angebaut, denn die Züchtung hat Arten hervorgebracht, die in allen Klimabereichen kultiviert werden können. Viele Sorten werden mehr den Bedürfnissen der Erzeuger und des Handels als denen der Verbraucher gerecht. Diese setzen auf große, ansehnliche Früchte, die unbeschadet längere Transportwege überstehen und mehrere Tage gelagert werden können. Die Früchte sind oft nicht mehr saftig und erinnern im Aroma nur noch entfernt an die traditionellen Sorten. Diese verschwinden immer mehr aus dem Erwerbsanbau, da sie zu empfindlich und nicht ansehnlich genug sind. Doch gibt es wieder Ansätze zum Positiven: Aus Spanien kamen in letzter Zeit Früchte, die nicht nur robust waren und gut aussahen, sondern auch aromatisch schmeckten. Man kann sich Erdbeeren auch selbst auf Plantagen pflücken. Dort werden i.d.R. immer noch aromatische Sorten wie "Senga Sengana" angebaut, die man auch auf Wochenmärkten erhält. Erdbeeren werden in erster Linie frisch verzehrt. Sie sind auch ideal zum Mischen mit Milchprodukten (Joghurt, Quark etc.). Keine andere Frucht würzt Eis oder Cremespeisen so ausdrucksvoll wie Erdbeeren. Auch für Obstkuchen und -salate, Milchmixgetränke und Bowlen finden sie Verwendung. Für die häusliche und die industrielle Marmeladenherstellung ist die Erdbeere die wichtigste Frucht. In der internationalen Küche gibt es zahllose Gerichte mit Erdbeeren. Bäckereien und Konditoreien bieten ihren Kunden zahlreiche Gebäcke mit Erdbeeren an. Von Mai bis Juli ist das Angebot am größten, weil dann Früchte aus heimischem Anbau auf den Markt kommen. Da die Nachfrage ständig steigt, werden sie auch aus Israel, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Holland eingeführt. Erdbeeren sind leicht verderblich. Es müssen daher, um Qualität zu garantieren, bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählt z. B. ein schneller Transport (Kühlwagen, Flugzeug), wofür die Erdbeeren allerdings vor der Vollreife geerntet werden, was auf Kosten des Aromas geht.
Am besten in der Saison kaufen

Dies alles sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Früchte, die Saison haben, in der Regel am preiswertesten sind und die beste Qualität haben. Bei Import-Erdbeeren ist Vorsicht angebracht, denn diese sind ohne Pestizide und Schimmelverhütungsmittel nicht transportfähig. Wer den vollaromatischen Erdbeergeschmack erleben will, sollte nur vollreif geerntete Früchte kaufen – und die erhält man nun einmal am besten in der Saison! Erdbeeren sollten spätestens zwei Tage nach der Ernte verzehrt werden, da sie schnell nachreifen, leicht verderblich sind und außerdem sehr schnell altern, d. h. sie verlieren ihr Aroma. Sie müssen vorsichtig transportiert werden, denn sie sind druckempfindlich und faulen dann schnell. Die Beeren können (ungewaschen) auf einem Teller ausgebreitet und zugedeckt an einen kühlen Ort aufbewahrt werden.Erdbeeren sollten nur kurz in kaltes Wasser getaucht und vorsichtig trockengetupft werden oder gut abtropfen. Erst nach dem Waschen werden Stiele und Blätter entfernt, sonst wird das Aroma verwässert. Kurz vor dem Verzehr bzw. Servieren sollten sie gezuckert werden, sonst verlieren sie zu viel Saft und werden weich und schlaff. Erdbeeren sind wahre Power-Früchte, denn sie haben einen höheren Vitamin-C-Gehalt als Orangen und Zitronen. Hinzu kommen Provitamin A, die Vitamine B1, B2, B6 und E sowie rasch löslicher Fruchtzucker. Außerdem haben sie einen hohen Gehalt an den Mineralstoffen Natrium, Calcium, Kalium, Magnesium, Mangan, Phosphor, Kupfer, Zink und besonders Eisen und gelten als wirksames Mittel gegen Blutarmut. Wegen ihres hohen Gehalts an Salicylsäure werden sie zur Linderung von Gicht und Rheuma empfohlen. Erdbeeren haben bioaktive, sekundäre Pflanzenstoffe, denen antibakterielle, entzündungs- und krebshemmende Wirkungen zugeschrieben werden.

Die gesamte Warenkunde zum Thema Erdbeeren finden Sie in BÄKO-magazin 7/2003 auf Seite 45!