
Die Vorfahren der großen roten Erdbeeren, die heute den heimischen Markt bestimmen, kommen ebenfalls aus Übersee. Sie sind keine Züchtung aus der Walderdbeere, sondern eine Kreuzung aus der kleinen amerikanischen Scharlach-Erdbeere mit der großfruchtigen "Schönen von Chile", die der Franzose Amédée François Frezier 1714 von seinen Fahrten mitbrachte. Antoine Nicolas Duchesne verbesserte diese Beeren 1776 durch gezielte Kreuzungen weiter und schuf so die "Ananas-Erdbeere", die ihren Namen wegen des ananas-ähnlichen Duftes bekam. Diese Artkreuzung ist die Stammform unserer heutigen Gartenerdbeere. Ab 1840 begann man in Deutschland mit dem erwerbsmäßigen Anbau. Die Sortenvielfalt bei Erdbeeren ist unübersehbar, inzwischen sind es weit über tausend. Erdbeeren werden heute in fast allen Ländern der Erde angebaut, denn die Züchtung hat Arten hervorgebracht, die in allen Klimabereichen kultiviert werden können. Viele Sorten werden mehr den Bedürfnissen der Erzeuger und des Handels als denen der Verbraucher gerecht. Diese setzen auf große, ansehnliche Früchte, die unbeschadet längere Transportwege überstehen und mehrere Tage gelagert werden können. Die Früchte sind oft nicht mehr saftig und erinnern im Aroma nur noch entfernt an die traditionellen Sorten. Diese verschwinden immer mehr aus dem Erwerbsanbau, da sie zu empfindlich und nicht ansehnlich genug sind. Doch gibt es wieder Ansätze zum Positiven: Aus Spanien kamen in letzter Zeit Früchte, die nicht nur robust waren und gut aussahen, sondern auch aromatisch schmeckten. Man kann sich Erdbeeren auch selbst auf Plantagen pflücken. Dort werden i.d.R. immer noch aromatische Sorten wie "Senga Sengana" angebaut, die man auch auf Wochenmärkten erhält. Erdbeeren werden in erster Linie frisch verzehrt. Sie sind auch ideal zum Mischen mit Milchprodukten (Joghurt, Quark etc.). Keine andere Frucht würzt Eis oder Cremespeisen so ausdrucksvoll wie Erdbeeren. Auch für Obstkuchen und -salate, Milchmixgetränke und Bowlen finden sie Verwendung. Für die häusliche und die industrielle Marmeladenherstellung ist die Erdbeere die wichtigste Frucht. In der internationalen Küche gibt es zahllose Gerichte mit Erdbeeren. Bäckereien und Konditoreien bieten ihren Kunden zahlreiche Gebäcke mit Erdbeeren an. Von Mai bis Juli ist das Angebot am größten, weil dann Früchte aus heimischem Anbau auf den Markt kommen. Da die Nachfrage ständig steigt, werden sie auch aus Israel, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Holland eingeführt. Erdbeeren sind leicht verderblich. Es müssen daher, um Qualität zu garantieren, bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählt z. B. ein schneller Transport (Kühlwagen, Flugzeug), wofür die Erdbeeren allerdings vor der Vollreife geerntet werden, was auf Kosten des Aromas geht.