WARENKUNDE

Teil 82: Wein international

„Gute Tropfen“ aus aller Herren Länder


Mit Recht ist man in Deutschland stolz auf ein vielfältiges und qualitativ besonders hochwertiges Angebot heimischer Weine. Doch auch andere europäische Länder produzieren erstklassige Weine und Produkte „aus der neuen Welt“ sind seit Jahren auf dem Vormarsch.Dies spiegelt sich auch in den Marktanteilen der Herkunftsländer an den Einkaufsmengen der Privathaushalte in Deutschland wider: Stammten 1995 noch 59% der eingekauften Weine aus dem Inland, so waren es 2001 nur noch 48%. Der Marktanteil französischer Weine stieg im gleichen Zeitraum von 13 auf 16%, der Italiens von 11 auf 13%. Die Gruppe der sonstigen Anbieterländer legte am deutlichsten zu, nämlich von 17 auf 23%.
Im Weinland Nummer Eins, Frankreich, haben sich Anbauffläche und Konsum zugunsten höherer Qualität verringert. Dennoch liegt man mit einem Pro-Kopf-Konsum von 57 Litern im Jahr weltweit vorne (Italien: 54,7, Deutschland: 23,9) und für viele Franzosen ist Wein integraler Bestandteil ihrer Lebensphilosophie. Nach wie vor gilt das Nachbarland deshalb im mittlerweile globalen Weinhandel als Vorbild und setzt die Qualitätsstandards.Produziert werden auf 917 000 ha Rebfläche durchschnittlich 57 Mio. Hektoliter Wein. Rund 60% der Rebflächen entfallen auf rote und 40% auf weiße Rebsorten. Die dominierenden zehn Rebsorten sind: Carignan (rot, 165 000 ha), Trebbiano (Ugni Blanc, weiß), Grenache (rot), Merlot (rot), Syrah (rot), Cinsaut (rot), Aramon (rot), Gamay (rot), Cabernet Sauvignon (rot) und Chardonnay (weiß).Die berühmten Weingebiete Frankreichs erstrecken sich von Norden nach Süden über die Nation: Champagne, Elsass, das Loiretal (= Vallée de la Loire; u. a. mit Muscadet, Anjou, Touraine), Burgund (= Bourgogne; u. a. mit Chablis, Côte d’Or, Côte Chalonnaise, Mâconnais), Jura, Beaujolais, Savoyen, Cognac, Bordeaux (u. a. mit Médoc, Graves, Saint-Émilion, Pomerol, Sauternes, Barsac), Côtes du Rhône, der Südwesten (u. a. mit Armagnac, Bergerac, Jurançon), Provence, Languedoc-Roussillon und die Insel Korsika.In Frankreich haben strenge Weingesetze lange Tradition und als erstes Land hat es seine Weinbaugebiete in exakten Karten erfasst. Das heutige System der „kontrollierten Herkunft“ („Appellation Contrôlée“) umfasst die Qualitätsstufen Vin de table, Vin de pays, VDQS (Vins Délimités de Qualité Supérieure) und AOC oder AC (Appellation d’Origine Contrôlée = höchste Stufe). Innerhalb der AC-Klassen gibt es weitere, aber nicht amtliche Qualitätsbegriffe. Diese variieren je nach Region (z.B. Grand Cru, Premier Cru, Cru Bourgeois) usw. Sie bauen darauf auf, dass unabhängig von den zwischen den Jahrgängen möglichen Qualitätsschwankungen ein bestimmter Boden und das Kleinklima von gleich bleibender Qualität sind.
Weinländer Italien und Spanien

Italien ist ein Weinland mit uralter Tradition. Mit über 2.000 verschiedenen Arten hat es auf ca. 908.000 ha Rebfläche die meisten Rebsorten der Welt. Die als „große Weine Italiens“ bezeichneten sind fast ausschließlich Rotweine, obwohl es auch ausgezeichnete Weißweine gibt. Die am häufigsten angebauten Rebsorten sind Trebbiano (weiß), Sangiovese (rot), Catarratto (diverse Arten; weiß), Barbera (rot), Italia Tafeltraube (weiß), Merlot (rot) und Montepulciano (rot). Karriere machten in jüngster Zeit „Zugereiste“ wie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Grigio. Mit rund 52 Mio. Hektoliter produziertem Wein per anno (Stand 2000) liegt Italien im absoluten Spitzenfeld.Wein wird im ganzen Land, vom Norden (Regionen Trentino-Südtirol, Lombardei, Aosta-Tal, Piemont, Ligurien, Venetien, Friaul-Julisch Venetien) über die Mitte des „Stiefels“ (Regionen Emilia-Romagna, Toskana, Latium, Umbriem, Marken, Abruzzen, Molise) bis in den tiefsten Süden (Regionen Kampanien, Kalabrien, Basilikata, Apulien) und auf den Inseln im Mittelmeer (Sizilien, Sardinien) bei unterschiedlichsten Klima- und Bodenbedingungen angebaut. In den vergangenen 40 Jahren hat der Weinbau in Italien einen radikalen Wandel weg vom Massenweinbau und hin zu verbesserten Produktionsmethoden und Qualität erlebt. Dazu trug erheblich die Einführung der vier Qualitätsstufen bei: Vino da tavola, IGT (Indicazione Geografica Tipica), DOC (Denominazione di Origine Controllata) und DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita = höchste Stufe). Der Zusatz „Classico“ bezeichnet traditionelle Gebiete innerhalb eines Bereiches. Liegen bestimmte Qualitätsmerkmale über den gesetzlichen Anforderungen, darf der Zusatz „Superiore“ verwendet werden, bei längerer Fassreife „Riserva“.

Spanien besitzt die größte Rebfläche der Welt (1,2 Mio. ha) und produziert jährlich 42 Mio. Hektoliter Wein – vorwiegend kräftige, aromareiche Rotweine. War das Land lange Zeit vor allem für Likörweine (Sherry) bekannt, so kennt man inzwischen auch hierzulande Qualitätswein aus den 58 ausgewiesenen Anbaugebieten, unter denen Rioja und Navarra im Norden, Galicien im Nordwesten, Penedés und Aragon im Nordosten, Kastilien und La Mancha im Zentrum sowie Valencia, Jerez und Malaga im Süden die bedeutendsten sind. Die mengenmäßig wichtigsten Traubensorten heißen Airén (weiß), Garnacha (rot), Bobal (rot), Monastrell (rot) und Tempranillo („Tinto“; rot).Das 1970 neu eingeführte Klassifizierungssystem mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung („Denominación de Origen“) orientiert sich am italienischen und französischen Weingesetz. Das Etikett eines spanischen Weines muss den Namen des Erzeugers angeben, den Namen des Weins, die Ursprungsregion, den Alkoholgehalt und ggf. die Qualitätseinstufung. „Reserva“ bezeichnet einen Wein, der drei Jahre reifen konnte, „Gran Reserva“ einen Wein, der fünf Jahre lagerte, davon mindestens zwei Jahre im Eichenfass.

Spitzenweine aus aller Welt

Weitere Länder in Auswahl: In Österreich gibt es vier Weinbauregionen (Steiermark, Burgenland, Wien/Niederösterreich, Weinviertel), deren Top-Erzeugnisse keinen Vergleich scheuen müssen. Viele heimische Rebsorten wie Grüner Veltliner und Lemberger („Blaufränkisch“) sorgen für Akzente.
Portugal verfügt relativ gesehen über enorm große Rebflächen und eine entsprechende Weinproduktion – ein Drittel Weißweine, zwei Drittel Rot- und Roséweine. Bekannte Weinbaugebiete sind Bairrada, Colares, Dao, Douro, Madeira, Moscatel de Setubal, Vinho Verde. International bekannt sind vor allem weiße und rote Vinho Verdes, Rosé- und Portweine.
In allen Ländern rings um das Mittelmeer, vor allem in Griechenland, in nordafrikanischen Staaten wie Tunesien und Marokko, auf Zypern und Malta sowie im Nahen Osten (Israel, Libanon) wird Weinbau betrieben, der zum Teil hochwertige, meist eher süße Weine mit eigenständigem Charakter hervorbringt.
In Osteuropa hat der Weinanbau eine lange Tradition und es werden große Mengen produziert und exportiert – als Beispiele mögen Cabernets aus Bulgarien, Krimsekt (Ukraine), Tokajer (Ungarn), Weine aus der Mädchentraube (Rumänien) und Amselfelder (Ex-Jugoslawien) dienen.
Südafrika baut seit dem 17. Jahrhundert Wein an, doch erst im vergangenen Jahrzehnt gelang der internationale Durchbruch. Die Erzeugnisse kommen vorwiegend aus der Kap-Provinz. Es dominieren die Sorten Chardonnay, Chenin Blanc, Sauvignon Blanc (weiß), Cinsault, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Pinotage (rot). Produziert werden kraftvolle dunkle Rotweine und trockene Weißweine.
90% der Weine aus den USA stammen aus Kalifornien. Sie sind meist eher alkoholreich und bieten eine gleichmäßig hohe Qualität, die in den letzten Jahrzehnten viele Freunde fand. Die Weißweine sind trocken, die Rotweine dunkel und gehaltvoll. Eine Besonderheit ist die Rebsorte Zinfandel (Rosé- und Rotweine).
Chile ist der Primus unter den Weinnationen Südamerikas. Das Land bringt vor allem hervorragende Cabernet-Weine hervor.
Auf 140.000 ha Rebfläche werden in Australien vorwiegend die Sorten Chardonnay, Riesling, Semillon und Sauvignon Blanc (weiß) sowie Shiraz, Cabernet Sauvignon, Pinot Noir und Merlot (rot) angebaut. Etwa zwei Drittel entfallen auf Weißweine. Die bedeutendsten Anbaugebiete befinden sich im Südosten (Südaustralien, Victoria, Neusüdwales).
Auf 13.000 ha Rebfläche dominieren in den südlichsten und östlichsten Weinbergen der Welt in Neuseeland die Sorten Müller-Thurgau, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling sowie die roten Sorten Cabernet Sauvignon und Pinot Noir.
Die gesamte Warenkunde zum Thema Wein international finden Sie in BÄKO-magazin 6/2003 auf Seite 51!
 
 
 
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