WARENKUNDE

Teil 81: Deutscher Wein

Tradition und Innovation in heimischen Weinbergen


Die ersten Weinbauern stammten nach heutigen Erkenntnissen aus den frühen Hochkulturen des Nahen Ostens. Schon um ca. 10 000 v. Chr. kultivierten sie die Reben. Das Seefahrervolk der Phönizier brachte den Weinbau nach Griechenland, von wo aus er um 600 v. Chr. seinen Weg nach Italien und Südfrankreich fand. Mit den römischen Feldzügen in Germanien erreichte der Weinbau vor etwa 2.000 Jahren auch den heute deutschsprachigen Raum (Rheinufer, Moseltal). Doch erst im 8. Jahrhundert bildete sich durch die Förderung der Klöster eine Weinbaukultur und -lehre heraus. Von Karl dem Großen ist bekannt, dass er sich für den Weinbau sehr interessierte, diverse Gesetze zur Qualitätsverbesserung erließ und auch als Erfinder der Straußwirtschaft anzusehen ist. Wein wurde noch vor dem Bier zum Volksgetränk der Deutschen, sodass bis zum Jahr 1400 eine Gesamtanbaufläche von rund 300 000 Hektar (ha) erreicht wurde. Nach 1500 nahm die Rebfläche in Deutschland aufgrund klimatischer Veränderungen, der Verbesserung der Bierherstellung und der Zunahme der Weinimporte kontinuierlich ab. Heute werden noch rund 100.000 ha Rebfläche bebaut, davon 71% mit Weißweinreben und 29% mit Rotweinreben. Insgesamt wurden in Deutschland in 2001 rund 8,9 Millionen Hektoliter Wein produziert. Das traditionsreiche Winzerhandwerk hat im Jahreslauf zahlreiche Arbeitsschritte in Weinberg (Reberziehung und -schnitt, Bodenpflege, Laubarbeiten, Ausdünnung, selektive Lese) und Keller (Maischen, Keltern, Mostbehandlung und Anreicherung, Gärkontrolle, Ausbau, Abfüllung), zu verrichten, ehe die Flasche Wein in den Handel und zum Konsumenten gelangt. Strenge Kontrollen und Prüfungen tun ein Übriges, um die hohe Qualität des deutschen Weines dauerhaft zu sichern. Deutschland zählt zu den nördlichsten Weinanbauländern der Welt. Klima und Witterung (lange Vegetationszeit, geringe Sommerhitze) im Grenzbereich zwischen dem feuchtwarmen Golfstromklima im Westen und dem trockenen Kontinentalklima im Osten sorgen für filigrane, nicht zu alkoholreiche Weine, deren Eigenschaften zumeist mit Leichtigkeit, Spritzigkeit und Fruchtigkeit beschrieben werden.
Sortenvielfalt aus 13 Regionen

Die wirtschaftlich bedeutendsten der über 100 Rebsorten in Deutschland sind beim Weißwein: Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner und Kerner; beim Rotwein: Spätburgunder, Portugieser und Dornfelder. Die Nummer Eins in Deutschland ist der Riesling mit 21% Rebfläche, eine langsam reifende Sorte, deren prägendes Element die fruchtige Säure ist. Höchste Ansprüche an die Lage stehen neben geringen Bodenansprüchen. Riesling wächst in allen deutschen Anbaugebieten; er steht in allen Qualitätsstufen und Geschmacksrichtungen zur Verfügung. 18% Rebfläche entfallen auf den Müller-Thurgau (Rivaner), eine Neuzüchtung, die ebenfalls fast überall zu Hause ist. Sie reift früh und liefert süffige Weine mit feinfruchtigem Aroma. Bedeutendster Rotwein ist der Blaue Spätburgunder (Pinot Noir) mit 10% der Anbaufläche. Diese edle alte Sorte wird meist als trockener, vollmundiger Rotwein mit fruchtigem Aroma ausgebaut.Weitere, vor allem regional starke Sorten sind (in Auswahl)
beim Weißwein: Bacchus, Scheurebe, Grauer und Weißer Burgunder, Faberrebe, Gutedel, Morio-Muskat, Ortega, Huxelrebe, Elbling, Gewürztraminer, Chardonnay und Ruländer;
beim Rotwein: Trollinger, Schwarzriesling, Blauer Lemberger, Regent, Dunkelfelder, Heroldrebe, Domina und Sankt Laurent. Dreizehn Anbaugebiete für Qualitätswein mit insgesamt 39 Bereichen, 167 Großlagen und 2 658 Einzellagen spiegeln die große Angebotsvielfalt deutscher Weine wider: Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg.
Die Visitenkarte des Weines

Ein Weinetikett vermittelt vielfältige Informationen, die zum Teil durch den Gesetzgeber verpflichtend festgelegt, zum Teil freiwillig sind. Obligatorische Angaben bei einem deutschen Qualitätswein oder Qualitätswein mit Prädikat sind Bezeichnung der Qualitätsstufe, Anbaugebiet, amtliche Prüfnummer, Erzeuger oder Abfüller, Alkoholgehalt (in Volumenprozent) und Flascheninhalt. Freigestellt sind Angaben über die engere Herkunftsbezeichnung (Weinort, Weinlage), die Geschmacksangabe (z.B. „trocken“ oder „halbtrocken“) sowie über den Restzuckergehalt. Der Jahrgang darf nur angegeben sein, wenn mindestens 85% des Weins aus dieser Ernte stammen. Ebenso ist die Angabe einer Rebsorte nur dann zulässig, wenn 85% oder mehr der Trauben von dieser Sorte stammen und damit geschmacksprägend sind.
Folgende Qualitätsstufen (Güteklassen) unterscheidet man in Deutschland:

Deutscher Tafelwein muss ausschließlich aus deutschem Lesegut zugelassener Rebflächen und Rebsorten stammen (geringe Qualitätsanforderungen)

Deutscher Landwein ist eine gehobene Stufe des Tafelweins.

Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (Q. b. A.) ist die größte Gruppe deutscher Weine. Qualitätsweine müssen zu 100% aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete stammen. Für jeden Qualitätswein sind, unterschiedlich nach Rebsorte und Anbaugebiet, untere Grenzwerte beim natürlichen Alkoholgehalt festgelegt. Das Mindestmostgewicht liegt je nach Gebiet zwischen 50 und 72 Grad Oechsle.

Für Qualitätsweine mit Prädikat gelten die höchsten Anforderungen hinsichtlich Sortenart, Reife, Harmonie und Eleganz. Bei diesen Weinen darf kein Zucker zugesetzt werden. Es gibt sechs verschiedene Prädikate, in aufsteigender Reihenfolge:
Kabinett: feine, leichte Weine aus reifen Trauben mit geringem Alkoholgehalt.
Spätlese: reife, elegante Weine mit feiner Frucht, die etwas später geerntet werden.
Auslese: edle Weine aus vollreifen Trauben, unreife Beeren werden ausgesondert.
Beerenauslese: volle fruchtige Weine aus überreifen, edelfaulen Beeren; über Jahrzehnte lagerfähig.
Trockenbeerenauslese: aus rosinenartig eingeschrumpften, edelfaulen Beeren; die Spitze der Qualitätspyramide, süß und honigartig, von extremer Alterungsfähigkeit über viele Jahrzehnte.
Eiswein: aus Trauben, bei denen das gleiche Mindestmostgewicht wie bei einer Beerenauslese erreicht wurde, Trauben werden in gefrorenem Zustand unter –7 °C gelesen und gefroren gekeltert, sodass nur das Fruchtkonzentrat ausgepresst wird.

Neben Weißwein und Rotwein werden Roséweine aus roten Trauben, deren Most sofort von den Beerenhäuten getrennt wurde, angeboten. Ein Weißherbst ist ein Rosé (Qualitätswein), der zu 100% aus einer einzigen Rotweinsorte besteht. Einen signifikanten Marktanteil haben sich mittlerweile ökologisch erzeugte Weine erobert. Anerkannte Verbände hierfür sind u.a. Bioland, Demeter, Ecovin und Naturland. Trends in allen Anbaugebieten sind die Hinwendung zu roten Rebsorten, zu Burgundersorten allgemein und die Renaissance klassischer Rebsorten.
Die gesamte Warenkunde zum Thema Deutsche Weine finden Sie in BÄKO-magazin 5/2003 auf Seite 51!
 
 
 
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