WARENKUNDE

Dreieckiges Korn mit markantem Geschmack

Teil 76: Buchweizen

Der Buchweizen (Fagopyrum esculentum) stammt ursprünglich aus dem östlichen Zentralasien und breitete sich schon in früher Zeit als Grundnahrungsmittel im gesamten asiatischen Raum aus. In Westeuropa war er offenbar schon in der Bronzezeit bekannt, doch geriet er wohl in Vergessenheit, ehe er durch die Eroberungszüge der Sarazenen, Tataren und Mongolen wieder nachdrücklich ins Bewusstsein der Bevölkerung gelangte. Vornehmlich im süddeutschen Raum wird Buchweizen daher auch noch heute als Tataren-, Heiden- oder Türkenkorn bezeichnet. Der Höhepunkt des Anbaus in Europa war im 17. bis 19. Jahrhundert erreicht, danach verdrängte zunehmend die Kartoffel den Buchweizen als Getreideersatzpflanze. Große Bedeutung als Grundnahrungsmittel genießt der Buchweizen heute vor allem in Osteuropa (Russland, Polen) und in Südostasien (China, Japan).
Heute wird die weltweite Anbaufläche auf 4,5 Mio. Hektar geschätzt. Die wichtigsten Anbauländer sind Russland und andere Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, die VR China, die USA, Kanada, Brasilien, Australien, die Niederlande, Polen und Japan.
Buchweizen ist kein Weizen

Der Name „Buchweizen“ ist irreführend, denn es handelt sich dabei nicht um ein Getreide, sondern um ein Knöterichgewächs. Der Buchweizen steht somit Pflanzen wie beispielsweise Rhabarber und Sauerampfer näher als den Getreidegräsern. Seinen Namen verdankt er der Ähnlichkeit der dreieckigen Früchte zu Bucheckern. Buchweizen ist eine einjährige Sommerfrucht, die in unseren Breiten in der Regel im Mai oder Juni ausgesät und im August bis September geerntet wird. Die anspruchslose, schnell wachsende Pflanze gedeiht am besten auf nicht zu feuchten Sand- oder Heideböden ohne Bodenverdichtungen, ist allerdings sehr frostempfindlich. Sie wird bis zu 60 cm hoch und weist noch deutlich die Merkmale einer Wildpflanze auf. So ist beispielsweise die Blühphase überdurchschnittlich lang und durch die späte, ungleichmäßige Abreife der Früchte wird die Ernte erschwert. Insgesamt ist die Vegetationszeit jedoch relativ kurz: Bereits zehn bis zwölf Wochen nach der Aussaat tragen die Pflanzen Früchte, sodass manchmal auch zweimal pro Jahr geerntet werden kann. Die Ernte erfolgt mit Mähdreschern, sobald etwa 80% der angelegten Samen reif sind. Anschließend müssen die dunkelbraunen, dreiseitigen Körner sofort getrocknet und gereinigt werden, da Feuchtigkeit zum völligen Verderb führt. Es folgt eine Sortierung nach Größe. Das durchschnittlich etwa 5 Millimeter große Korn besteht aus vier Hauptkomponenten: der äußeren Hülle, dem Samenmantel, dem so genannten endospermen Gewebe und dem Keim. Um für die menschliche Ernährung Verwendung zu finden, muss der Buchweizen in jedem Fall geschält werden, da die harte Schale, die auch durch Kochen nicht aufweicht, nicht genießbar ist. Dies geschieht entweder durch Kochen bzw. Dämpfen oder aber indem man die Schale in einem Vormahlprozess knackt und sie durch Sieben erst nach dem Mahlprozess entfernt.
Geschmacksstark und vielseitig

In 100 Gramm verzehrbarem Anteil (geschältes Buchweizenkorn) sind im Durchschnitt folgende Nährwerte enthalten: 10 g Eiweiß (mehr als in den meisten „echten“ Getreidearten), 1,7 g Fett (davon 0,7 g mehrfach ungesättigte Fettsäuren), 71,3 g verwertbare Kohlenhydrate, 3,7 g Ballaststoffe und 12,8 g Wasser. Dies entspricht einem Energiewert von 1 425 kJoule bzw. 341 kcal. Bemerkenswert ist vor allem der Gehalt an den lebenswichtigen Eiweißstoffen Lysin und Triptophan sowie Lezithin, die auch als „Gehirn- und Nervennahrung“ bezeichnet werden. Sie finden sich in Buchweizen in einer für die Ernährung besonders günstigen Zusammensetzung. Auch der Gehalt an Vitaminen ist beachtlich: Vor allem die Vitamine der B-Gruppe sind mit ca. 3,9 mg auf 100 Gramm gut vertreten. Von den Mineralstoffen sind in erster Linie Kalium, Calcium, Eisen, Kupfer, Phosphor, Magnesium und Fluor zu nennen. Buchweizen ist nicht nur cholesterinfrei, sondern enthält auch das Flavonoid Rutin, dem eine Cholesterinspiegel senkende und Arterien stärkende Wirkung attestiert wird.
Buchweizen wird von Mühlen und spezialisierten Anbietern in einer großen Vielzahl von Verarbeitungsprodukten angeboten, sowohl aus konventionellem wie aus kontrolliert biologischem Anbau. Zu den Angebotsformen zählen ganze und geschälte Körner, geröstete („Kasha“) und gepuffte Körner, Voll- und Kernmehl, Buchweizengrieß, -grütze und -schrot, gewalzte und vorgekochte (Instant-)Flocken (auch aromatisiert), Kleie, Pfannkuchen-Mischungen, Schalen und Spreu. Buchweizen hat einen markanten, nussartigen Geschmack und gilt als leicht bekömmlich. Da Produkte daraus kein Klebereiweiß enthalten, sind sie gut geeignet für die Produktion glutenfreier Erzeugnisse für Zöliakie/Sprue-Kranke. Aufgrund der guten Backeigenschaften mit zuverlässiger Bindekraft lassen sich daraus sowohl Brote als auch Fein- und Dauerbackwaren herstellen, ggf. unter Verwendung klebereiweißhaltiger Mehle. Als Zusatz in Rezepten sorgt Buchweizen für eine Geschmacksanhebung. Buchweizenmehl eignet sich außerdem sehr gut für Pfannkuchen, Fladen, Klöße, Brei (Grütze) und Waffeln. Geschrotete und gequollene Buchweizenkörner werden für Bratlinge, Brei (Grütze) und als Zutat für Wurstspezialitäten verwendet, geflockte oder geröstete findet man in Müslis und gegarte Körner eignen sich u.a. für Suppen und Aufläufe. Außerdem kann Buchweizen als Beilage anstelle von Reis eingesetzt werden.

Die gesamte Warenkunde zum Thema Buchweizen finden Sie in BÄKO-magazin 12/2002 auf Seite 49ff.!