WARENKUNDE

Gesunder und leckerer Durstlöscher in aller Munde

Teil 74: Apfelsaft

Keine andere Obstsorte spielt in Deutschland eine so bedeutende Rolle wie der Apfel. Sein Anteil an der gesamten Obsternte liegt bei 60%. Botanisch betrachtet ist der Apfel nur eine Scheinfrucht, die zu den Rosengewächsen gehört. Dennoch schrieb die Frucht eine einzigartige und lange Erfolgsgeschichte, denn Spuren frühester Kulturäpfel finden sich bereits in jungsteinzeitlichen Siedlungen.
Sorgfalt bei der Herstellung

 

Den Römern, die schon vor unserer Zeitrechnung Techniken wie das Pfropfen (Veredelung) beherrschten, verdanken wir unsere heutigen, kultivierten Apfelsorten. Die Römer trieben die Verbreitung der Apfelbäume voran. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Apfel in den gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens, Amerikas und Australiens zur beliebtesten Frucht. Heute sind weltweit 5 500 Apfelsorten bekannt.
Die Saftausbeute ist je nach Fruchtart sehr verschieden: Bei Zitrusfrüchten beträgt sie nur etwa 40%, bei Äpfeln dagegen etwa 75 bis 80%. Daher eignen sie sich gut zur Saftproduktion. Man braucht etwa 1,5 kg Äpfel, um einen Liter Saft zu gewinnen. Bundesweit produzieren mehr als 400 Firmen rund 1 Milliarde Liter Apfelsaft im Jahr.
Fruchtsaft ist ein Naturprodukt, das jeder herstellen kann, indem er Früchte auspresst. Um natürlichen Fruchtsaft in großer Menge und gleich bleibend hoher Qualität herzustellen, bedarf es jedoch einer Reihe von Verarbeitungsschritten, die mit größter Sorgfalt und mithilfe moderner Technologien durchgeführt werden.


In den obstverarbeitenden Betrieben werden die Äpfel nach der Anlieferung – die Ernte beginnt im September – zunächst auf ihre Qualität geprüft. Anschließend werden sie in der Waschanlage gründlich gewaschen und dann von Hand verlesen.
Nächste Station ist die Mühle, wo die Äpfel gemaischt (gemahlen) werden. Die Maische wird dann mechanisch ausgepresst. Dabei entsteht naturtrüber Apfelsaft. Wenn klarer Apfelsaft hergestellt werden soll, muss der Saft zentrifugiert und gefiltert werden. Apfelsaft wird durch die so genannte Pasteurisation haltbar gemacht. Dazu wird der Saft für kurze Zeit auf ca. 80 bis 85 °C erhitzt. Dadurch werden die Mikroorganismen außer Gefecht gesetzt, die ansonsten das Gären des Saftes bewirken würden. Die wertvollen Inhaltsstoffe des Apfelsaftes bleiben dabei vollständig erhalten.
Der Deutschen liebster Saft

 

Weltweit liegen die Deutschen beim Fruchtsaftverbrauch an der Spitze: Im Jahr 2001 trank jeder Deutsche 40,3 Liter Fruchtsäfte und -nektare. Es folgen mit deutlichem Abstand die Österreicher (35,6 l) und Finnen (35 l).Von diesem Pro-Kopf-Verbrauch entfielen 28,3 l auf Fruchtsaft und 12 l auf Fruchtnektare. Bis 1992 war Orangensaft der meist getrunkene Fruchtsaft, wurde aber 1993 von Apfelsaft abgelöst, der seitdem unangefochten an der Spitze liegt. Im Jahr 2001 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 12 l. Orangensaft brachte es „nur“ auf 9,5 l. Es folgen Multivitaminsaft (3,5 l) und Traubensaft (1,3 l).


Viele Menschen schätzen Apfelsaft im Rahmen einer ausgewogenen und gesunden Ernährung wegen seiner gesunden Inhaltsstoffe, die sich positiv auf Leistungsfähigkeit, Fitness und Wohlbefinden auswirken. Er enthält die gleiche ausgewogene Mischung an lebenswichtigen Nährstoffen wie frische Äpfel, darunter wichtiger Vitamine und Mineralstoffe. Ein Glas Apfelsaft (0,2 l) enthält durchschnittlich 200 mg Kalium, 12 mg Calcium, 12 mg Phosphor, 10 mg Magnesium und 4 mg Natrium, darüber hinaus auch geringe Mengen Eisen, Mangan, Zink, Kupfer und Fluorid. Diese Mineralstoffe regulieren im menschlichen Körper den Wasserhaushalt sowie den Knochen- und Muskelstoffwechsel.Zudem enthalten 0,2 l Apfelsaft ca. 2 mg Vitamin C und 0,14 mg Provitamin A (Carotin). Zudem sind geringere Mengen Nicotinamid, Pantothensäure sowie die Vitamine B1, B2 und B6 vorhanden. Abgerundet wird das Ganze durch Kohlenhydrate wie Trauben- und Fruchtzucker. Apfelsaft wird meist pur getrunken oder mit Mineralwasser gemischt (Schorle). Diese Mischung ist ein schneller Durstlöscher für Groß und Klein. Sportler haben damit einen natürlichen Fitnessdrink und Energiespender zur Hand, der es mit jedem Sportgetränk aufnehmen kann.

Die gesamte Warenkunde zum Thema Apfelsaft finden Sie in BÄKO-magazin 10/2002 auf Seite 67ff.!