WARENKUNDE

Teil 71: Blaubeeren

„Blaues Wunder“ – schmackhaft und gesund


Blaubeeren – in Deutschland auch unter den Bezeichnungen Heidelbeeren, Schwarzbeeren, Bickbeeren und Waldbeeren anzutreffen – sind ein uraltes Erfolgsmodell der Evolution und nahezu in der gesamten kalten und kalt-gemäßigten nördlichen Hemisphäre zu Hause. In Europa beginnt das Verbreitungsgebiet im Westen in den Pyrenäen und im Süden in den Alpen und umfasst sämtliche nördlich davon gelegenen Regionen, so sind z.B. weite Teile Skandinaviens mit Blaubeersträuchern bedeckt. Im Osten erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis nach Sibirien und in die zentralasiatischen Gebirge. In Amerika reicht die Verbreitung von Kanada (Alberta, British Columbia) bis in die südlichen Rocky Mountains (Arizona, New Mexico). Blaubeerpflanzen gehören zu den Erikagewächsen (Ericaceae). Die langlebigen, holzigen Sträucher gedeihen am besten auf säurehaltigen Böden, beispielsweise sandigen Lehmböden.Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen wild wachsenden Blaubeeren und Kulturblaubeeren.
Wild wachsend oder kultiviert

Wilde Blaubeeren wachsen bevorzugt als Unterwuchs in nicht allzu schattigen Kiefern- und Fichtenwäldern und auf Hochmooren. Die Früchte des bodennahen Strauchs (bis zu 50 cm hoch) sind etwa erbsengroß und außen wie innen dunkelblau bis violett. Die für die Ernte bestimmten Wildbeeren werden nicht angepflanzt, sondern in ihren angestammten Lebensräumen lediglich durch Maßnahmen wie z.B. die Anpflanzung von Bäumen als Windschutz gefördert. Ihrer Ausbreitung über die Besitzgrenzen hinaus wird nicht entgegengewirkt, sodass man hier tatsächlich noch von wild wachsenden Beeren sprechen kann. Blaubeeren wachsen fast überall in Deutschland wild (bedeutende Vorkommen sind vor allem im Bayrischen Wald und in der Oberpfalz zu finden), werden aber vornehmlich für den Eigenbedarf gesammelt. Im Schnitt werden daher jährlich über 20 000 Tonnen Blaubeeren importiert. Davon stammt der überwiegende Teil – je nach Ernte zwischen 40 und 60% – aus den USA und Kanada. Die übrigen Importe stammen überwiegend aus Wildbeständen südost- und osteuropäischer Länder, wie Polen, Tschechien, Rumänien, Russland und Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens.
Kulturblaubeeren (Kulturheidelbeeren) sind durch gezielte Kreuzung und Selektion von wilden Blaubeersorten entstanden. Sie werden vielfach in Plantagen angebaut und sind daher (auch maschinell) leichter zu ernten. Die Sträucher werden bis zu 2 Meter hoch und liefern nach sechs bis acht Jahren ihren vollen Ertrag. Die Beeren sind mit bis zu 25 Millimeter Durchmesser wesentlich größer als die ihrer wilden Verwandten. Während die wilden Varianten durchgefärbt blau sind, haben die Züchtungen ein weißes Fruchtfleisch sowie ein weniger ausgeprägtes Aroma. Sie sind länger haltbar und einfacher zu transportieren. Rund 95% der weltweiten Blaubeerproduktion wird von den USA geerntet.
Bemerkenswerte Inhaltsstoffe

Die Erntezeit für Blaubeeren liegt zwischen Juli und September. Während die Ernte bei Kulturpflanzen heute weitgehend maschinell abläuft, werden die Wildfrüchte größtenteils noch auf traditionelle Weise per Hand geerntet. Mit einem speziellen Rechen (Kamm) ausgestattet, harken die Pflücker die Beeren in Eimer, die dann in Kisten umgeladen und von LKWs weiterbefördert werden. Da frische Blaubeeren nur sehr begrenzt haltbar sind, wird ein Großteil der amerikanischen Früchte tiefgefroren, um sie zu einem saisonunabhängigen Ganzjahresprodukt zu machen.
Das Besondere an wilden Blaubeeren ist, dass in den blauen Pflanzenstoffen besonders viele Antioxidantien (wie Vitamin C, Beta-Karotin, Vitamin E und Flavonoide) enthalten sind. Diese Stoffe neutralisieren so genannte „freie Radikale“ in den Körperzellen: Diese instabilen Sauerstoffmoleküle, die unter anderem Fette und Aminosäuren zerstören und so die Zellen beschädigen oder vorzeitig altern lassen, werden mit den häufigsten Zivilisationskrankheiten (Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) in Verbindung gebracht. Antioxidantien schützen und regenerieren die Zellen und wirken so gegen verschiedene Symptome des Älterwerdens. Nachweislich wirken Blaubeeren etwa gegen Nachtblindheit und müde Augen. Wegen der antiseptischen Wirkung wurden sie gegen Entzündungen eingesetzt, die Gerbstoffe sollen gegen Darmerkrankungen helfen und Blaubeersaft oder -sirup gilt nach wie vor als ein probates Mittel zur Hustenbekämpfung.
Frische Blaubeeren eignen sich bestens zum Rohverzehr, für Kaltschalen und als fruchtige Zugabe zu Eis, Quarkspeisen, Pfannkuchen und (auch getrocknet) zu Müslis. Industriell verarbeitet werden Blaubeeren zu Pulpen, Muttersäften, Tiefkühlobst, Konfitüre und Alkoholika. Einen festen Platz haben die beliebten Früchte auch in Bäckerei und Konditorei. Blaubeertorten und -sahnetorten, Blueberry Muffins und Beerentörtchen gehören in der Sommerzeit zu den Kundenfavoriten. Da wilde Blaubeeren kleiner und darum fester in der Konsistenz sind als Kulturblaubeeren und weil sie über eine intensivere Farbe und einen sehr aromatischen Geschmack verfügen, eignen vor allem sie sich sehr gut zum Backen und für verwandte Zwecke, besonders wenn darauf Wert gelegt wird, dass die Früchte weitgehend intakt bleiben.
Die gesamte Warenkunde zum Thema Blaubeeren finden Sie in BÄKO-magazin 7/2002 auf Seite 53ff.!
 
 
 
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