WARENKUNDE

Kleine Powerbohne – groß im Trend

Teil 69: Soja

Soja, eine der ältesten Kulturpflanzen der Erde, stammt ursprünglich aus Ostasien und wird schon seit ca. 2800 v. Chr. in China kultiviert. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelangte sie nach Amerika und Europa und gewann in der Folge langsam an Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in den USA und in Südamerika der Sojaanbau im großen Stil in die Wege geleitet mit dem Ergebnis, dass die Vereinigten Staaten heute fast die Hälfte des Weltanbaus stellen, gefolgt von Brasilien und Argentinien. Alle drei Länder zusammen produzieren mehr als 80% der Welterzeugung, während die asiatischen Ursprungsländer hauptsächlich ihren Eigenbedarf abdecken. In Mitteleuropa spielt der Sojaanbau kaum eine Rolle. Insgesamt ist die Sojabohne mit einer Anbaufläche von rund 74 Mio. ha weltweit eine der wirtschaftlich bedeutendsten Kulturpflanzen. Mit einem Anteil von über 50% an der Weltproduktion von Ölsaaten nehmen Sojabohnen auch hier eine Spitzenstellung ein. Wichtigster Importeur von Sojabohnen ist weit an der Spitze die EU (14 bis 16 Mio. t), gefolgt von China (7 Mio. t) und Japan (4 Mio. t). In den Ländern Europas werden Sojabohnen zu mehr als 80% zu Futtermitteln verarbeitet, der übrige Teil geht in die Lebensmittelerzeugung und in den technischen Bereich.
In nur 100 Tagen zur Reife

Die heute für den Flächenanbau genutzte einjährige Sojabohne (Glycine max) gehört zur Familie der Leguminosen (Schmetterlingsblütler). Sie ähnelt in ihrem Wuchs der hierzulande heimischen Buschbohne. Die strauchig wachsende einjährige Pflanze entwickelt extensive Wurzeln von bis zu zwei Meter Tiefe. Die über der Erde bis zu einen Meter hohen Pflanzen sind borstig behaart und tragen Büschel von kleinen Blüten in Farben zwischen Weiß und Violett.Die selbst befruchtende Pflanze blüht über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen ab. Nach der Befruchtung wachsen vorwiegend braungelb behaarte Hülsen heran, die bis zu fünf Samen enthalten. Die Samen sind meist cremefarbig. Nach nur rund 100 Tagen ist die Sojabohne reif – kaum eine Pflanze nutzt die Sonnenkraft schneller und effektiver.
Während in Asien und Amerika vorwiegend frische Bohnen verarbeitet werden, gelangt Soja nach Europa vorwiegend als Trockenprodukt, das bei richtiger Lagerung (dunkel, luftig, kühl) so gut wie unbegrenzt haltbar ist. Sojabohnen enthalten etwa 20% Fett mit einem hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, 36% hochwertiges Eiweiß in einer günstigen Kombination aller essenziellen Aminosäuren und etwa 30% Kohlenhydrate (aber keine Stärke). Dazu kommen 5% Mineralstoffe, darunter besonders viel Magnesium und Kalium, und Vitamine, vor allem E, B und Folsäure. Soja wirkt Cholesterin senkend und kann zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs beitragen.
Die Vielfalt der Soja-Lebensmittel

Zur großen Vielfalt von Produkten aus und mit Soja zählen Lebensmittel unterschiedlichen Verarbeitungsgrades, Milch- oder Fleischersatzlebensmittel und Lebensmittelzusatzstoffe.

  • Sojabohnen: Im Handel werden meist getrocknete gelbe Sojabohnen bereitgehalten. Sie können wie andere Hülsenfrüchte lange gelagert und nach Einweichen und Kochen zu Bratlingen, Eintöpfen, Gemüse und Salat verarbeitet werden.
  • Sojamehl, Sojaflocken und Sojagranulate: Sie werden durch Reinigen, Schälen mit und ohne Hitzebehandlung und Mahlen bzw. Pressen erzeugt und bei der Brotherstellung, aber auch als Zutat von Cerealien oder Brotaufstrichen verwendet. Beim Sojamehl unterscheidet man vollfettes und teilentfettetes Mehl. Da Sojamehl kein Gluten enthält, wird es beim Backen mit Weizenmehl oder anderen Sorten kombiniert. In saftigen Gebäcken wie z.B. Obstkuchen können 20 bis 25% des Mehls durch Sojamehl ersetzt werden. Es sorgt für eine saftige Konsistenz und ein nussiges Aroma. Bei Brot empfiehlt sich ein Anteil von nicht mehr als 15%, da hier das Gluten für die festere Struktur benötigt wird. Da Sojamehl schneller bräunt, kann die Backtemperatur leicht reduziert werden.
  • Sojaöl: Das preiswerte, hellgelbe Speiseöl mit neutralem Geschmack wird rein oder in Mischungen angeboten. Sojaöl ist besonders dünnflüssig und deshalb gut zum Einfetten auch von winkeligen Back- und Auflaufformen geeignet. Biskuitteige werden mit Sojaöl elastisch, Mürbeteige besonders knusprig. Es eignet sich auch bestens für Salate, Mayonnaisen, Dips, aber auch zum Braten und Dünsten.
  • Sojamilch und Sojamilchprodukte: Diese Produkte (darunter Sojajoghurt und Sojacreme), gewonnen aus pürierten Sojabohnen und Wasser, ähneln tierischer Milch und können auch so verwendet werden. Sie werden aber im Handel als „Sojagetränk“ etc. deklariert, um Verwechslungen zu vermeiden.
  • Tofu: Dieser „Sojaquark“ entsteht durch Erhitzen von Sojagetränk und Gerinnung. Er ist fester als Quark und geschmacksneutral, wird darum in der süßen wie herzhaften Küche als Multitalent eingesetzt. Beliebt sind auch Tofuprodukte mit Aromen (z.B. Kräuter-, Räuchertofu) und „Fleischersatz“ (Tofu-Würstchen etc.).
  • Sojasaucen: Die intensiven Saucen auf Basis fermentierter Sojabohnen, Weizen oder Reis und Salz zum Marinieren oder Würzen von Speisen werden auch in der europäischen Küche immer beliebter.

Soja findet ferner Verwendung für Lebensmittelzusatzstoffe wie Emulgatoren (Lecithin), Antioxidationsmittel, Trenn- und Überzugsmittel. Somit ist es auch in vielen Backmitteln und -mischungen enthalten.


Die gesamte Warenkunde zum Thema Soja finden Sie in BÄKO-magazin 5/2002 auf Seite 51ff.!