WARENKUNDE

Uralte Getreideart mit herzhaftem Geschmack

Teil 52: Dinkel

Schon vor 5 000 Jahren war der Dinkel als Kulturpflanze bekannt. Er kommt ursprünglich aus dem südlichen Teil Asiens und ist eine Wildform des Weizens. Im Mittelalter war er die Hauptbrotfrucht der Alemannen und blieb es vor allem in Württemberg bis ins letzte Jahrhundert. Im Volksmund wird Dinkel auch heute noch als “Schwabenkorn” oder auch als “Spelz” bezeichnet. Seit einigen Jahren erlebt Dinkel eine Renaissance und wird auf der Schwäbischen Alb wieder verstärkt angebaut. Kenner schätzen sein feines Aroma und seinen herzhaften Geschmack. Auf dem Feld erkennt man Dinkel an seinem bis zu 1,50 Meter hohen Wuchs und seinen langen lockeren, im reifen Zustand geneigten und rötlich schimmernden Ähren. Das Dinkelkorn ist schmal und goldgelb mit leicht rötlichem Farbeinschlag. Es ist umgeben von einem festen Spelz (Getreideschale), der die Schälung erschwert. Dinkel ist genügsam und wächst sogar auf armen und steinigen Böden. Eine Düngung ist kaum erforderlich, allerdings ist das Ertragsniveau eher niedrig.
Gut zum Backen geeignet

Dinkel enthält zahlreiche wichtige Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und Ballaststoffe sowie wertvolles Eiweiß und Kohlenhydrate. Auch die Klebereiweiße, die der Dinkel besitzt, sind hochwertig, sodass er sich ausgezeichnet zum Backen eignet. Bei der Verarbeitung in der Backstube muss beachtet werden, dass die Teige mehr Ruhe brauchen und daher sogar schon am Vortag hergestellt werden können. Auch ist die Maschinengängigkeit nicht immer gewährleistet, sodass Handarbeit gefragt ist.

Im Zuge eines neuen Bewusstseins in Ernährungs- und Umweltfragen ist Dinkel wieder mehr in den Blickpunkt gerückt. Experten bescheinigen ihm einen höheren ernährungsphysiologischen Wert als Weizen. Gegenüber Weizen, Hafer, Gerste und Roggen hat der Dinkel mehr Proteine. Er nimmt bei der Verarbeitung viel Wasser auf, hält dadurch länger die Feuchtigkeit und kann ohne den Einsatz von Konservierungsstoffen zu Brot und Backwaren verarbeitet werden. Dinkelprodukte werden verstärkt auch von Allergikern, die Probleme mit der Verwertung von Weizen- und Roggeneiweiß haben, verzehrt.
Dinkel ist in Form von ganzen Körnern, Schrot, Flocken, Grieß und Mehl im Handel erhältlich. Eine beliebte Variante ist Grünkern, das im halbreifen Zustand meist im Juli geerntete Korn des Dinkels, meist für Saucen, Suppen und zur Herstellung von Bratlingen verwendet.


Die gesamte Warenkunde zum Thema Dinkel finden Sie in BÄKO-magazin 12/2000 auf Seite 45ff.!