WARENKUNDE

Kleine Körner, großer Geschmack

Teil 145: Mohn

Wie viele Kulturpflanzen stammt auch der Mohn aus Vorder- bzw. Kleinasien. Da er offenbar bereits in der Jungsteinzeit angebaut wurde, darf er als eine der ältesten Kulturpflanzen gelten.

Er geriet jedoch im Laufe der Zeit weitgehend in Vergessenheit, ehe die Opiumkriege der Briten in China im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit auch in Europa wieder auf die Mohnpflanze und ihre Bestandteile lenkte. Erst in der Neuzeit hat der Mohn die heutige Bedeutung für den direkten Verzehr und für die Ölherstellung gewonnen.

Die Familie der Mohngewächse umfasst weltweit etwa 600 Arten, von denen nur der Schlafmohn (Ölmohn; lat.: Papaver somniferum) mit seinen großen weißen bzw. hellvioletten Blütenknospen für die Ernährung in Mitteleuropa eine Rolle spielt.

In Deutschland werden pro Jahr rund 10.000 t Mohn gehandelt, was einen beträchtlichen Anteil an der Weltproduktion von über 50.000 t darstellt. Nur ein kleiner Teil davon wird an Endverbraucher abgegeben, während etwa zwei Drittel in die gewerbliche Weiterverarbeitung innerhalb der Backwarenbranche fließen.

Zur Mohnweiterverarbeitung in den Bäckereien und Konditoreien werden stationäre und fahrbare Mohnmühlen angeboten, deren Walzen die Mohnkörner in der Regel nicht mahlen, sondern quetschen und leicht einreißen. Fett und Aromastoffe werden so frei gesetzt, Verzehr und Verdauung erleichtert.

Am häufigsten werden jedoch Mohnfüllungen bzw. Mohnmassen verwendet, entweder als Convenienceprodukt oder aus eigener Herstellung.

Vor allem im deutschen Südosten, in Bayern, Österreich und Tschechien ist Mohn als Zutat für Gebäcke und Süßspeisen aus Germteig (Hefeteig) beliebt, so etwa für Dampfnudeln, Germ-knödel oder Potitzen. Mit Mohnsamen gefüllte Teigtaschen kennt man in verschiedenen Ländern Ost- und Mitteleuropas.


Die gesamte Warenkunde zum Thema Mohn finden Sie in BÄKO-magazin 9/2008 ab Seite 95!